Akademievortrag: Wasser als Treibstoff der Zukunft?

„Das Wasser ist die Kohle der Zukunft“ mutmaßte der Visionär Jules Verne bereits im Jahr 1874. Das klingt wie Science Fiction, und doch scheint diese Vision bald Wirklichkeit zu werden. Nicht zuletzt aufgrund bahnbrechender Forschungsarbeiten der Gruppe um Prof. Matthias Drieß von der TU Berlin, die an unserem Gymnasium im Rahmen des naturwissenschaftlichen Unterrichts vorgestellt wurden.

Prof. Matthias Drieß im Labor (Quelle: TU Berlin)

Im Jahre 2014 stammten weltweit noch 87 % Energieversorgung aus fossilen Brennstoffen mit den allseits bekannten Folgen für das Klima auf unserer Erde. Doch seitdem hat sich der Anteil der erneuerbaren Energien bereits mehr als verdoppelt und wird in naher Zukunft immer stärker zunehmen. Doch: wie kann diese Energie gespeichert werden, was ist, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint? Die Natur macht es vor: Sonnenenergie wird durch die Photosynthese in chemische Energie umgewandelt und gespeichert. Doch leider ist dieser Prozess nicht effektiv: nur 1-3 % der Sonnenenergie werden gespeichert. Doch auch Wasser kann ein solcher Energiespeicher sein: spaltet man Wasser mittels Elektrolyse, so kann man durch nachfolgendes Wieder-Zusammenführen der Spaltprodukte Wasserstoff und Sauerstoff immerhin fast 20 % der ursprünglichen Sonnenenergie freisetzen und nutzen. Das Problem: das Elektrodenmaterial bei der Wasserspaltung besteht aus seltenen und giftigen Edelmetallen wie Platin oder Silber.

Am 07. Februar 2022 stellte Professor Matthias Drieß von der Technischen Universität Berlin in einem Online-Vortrag neuartige Gläser vor, die in seiner Arbeitsgruppe entwickelt und derzeit in größerem Maßstab erprobt werden. Aufgrund der aktuellen Situation wurde der Vortrag aus der TU Berlin digital in die Unterrichtsräume zweier zehnter Klassen und eines Physik-Leistungskurses übertragen. Die von Prof. Drieß und seiner Arbeitsgruppe entwickelten neuartigen Gläser können als Katalysatoren für die Wasserspaltung dienen und die teuren Edelmetalle ersetzen, die bisher die Verbreitung der Wasserstofftechnologie erschweren. Die Vision von Jules Verne könnte schon bald zur Wirklichkeit werden!
(Dr.M. Jenssen, Physik-Lehrer)

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